POIOS TI ZOI MOU (WER TRACHTET MIR NACH DEM LEBEN?) - EINE RETROSPEKTIVE BIS 1974

 

Am Sonntag, 9. Juni 2013, fand die letzte von 24 ausverkauften Veranstaltungen im Athener Badminton-Theater zu Ehren von Mikis Theodorakis statt.

2.500 Zuhörer aller Generationen ehrten den griechischen Komponisten mit ihrem Besuch. Schauspieler, Vokalsolisten, Chor, Ballett und Orchester gestalteten ein Programm, das Stationen von Mikis Leben in szenischer Darstellung in ihren geschichtlichen Bezügen darstellte:

1922, der kleinasiatischen Katastrophe, Widerstand gegen italienische und deutsche Besatzungsmächte 1940 -1944, 3. Dezember 1944, Bürgerkrieg 1946 - 1949, Makronisos 1949, Chania 1950/51, die tödlichen Anschläge auf Grigoris Lambrakis 1963 und auf Sotiris Petroula 1965, Leben im Untergrund während der Militärdiktatur und Gefängnishaft in Bouboulina 1967 und Oropos 1969, Verbannung nach Zatouna 1968, Pariser Exil 1970 – 1974.

Theodorakis ist es, der in seinen Liederzyklen erstmalig nicht nur die große Poesie griechischer Dichter vertont, er ist es auch, der erstmalig in populären Konzerten in Stadien und Open-Air-Theatern die Menschen erreicht und begeistert.

Über die gesamten 3,5 Stunden dokumentierten abwechslungsreich szenische Darstellungen, Rezitationen und mehr als 50 vom Orchester begleitete Lieder Mikis unbeugsames Leben und die Schönheiten seiner Musik. Dabei wurde verständlich, welche große Bedeutung für ihn seine verehrten Eltern, sein geliebter Bruder Jannis und seine Frau Myrto haben.

Der Regie dieser Veranstaltung gelang es, Theodorakis stets im Focus zu behalten und dabei den Kontext seines privaten und gesellschaftspolitischen Lebens und seine Musik im Gleichgewicht zu balancieren. Mit wenigen Mitteln von Bühnenbildern und Lichteffekten realisierte sie 135 Szenen. Hierin erklangen Theodorakis ergreifende Vertonungen der Lyrik von Eleftheriou, Elytis, Gatsos, Kambanellis, Livaditis, Neruda, Palamas, Ritsos, Seferis, Jannis Theodorakis und anderen Dichtern.

Als Theodorakis Lied „Bald wirst du hören wie sie die Glocken läuten“ aus dem Ritsos Gedichtzyklus Romiosini ertönt, geht ein Raunen durch die Zuhörerreihen, das bei den Worten „Keiner wird uns dieses Land nehmen“ zu frenetischem Beifall und zustimmendem Gesang der 2.500 Menschen wird, die die Gegenwartsbedeutung von Theodorakis Musik verstehen. Und als die Lieder Marina, Um acht Uhr abends fährt der Zug, Schöne Stadt, Lied der Lieder, Ich öffne die Tür am Abend, Sto Perigiali erklangen, spürte man, diese Lieder und Texte sind zum Besitz eines Volkes geworden. Leise sang das große Auditorium mit und reagierte dabei sensibel auf jede dynamische Interpretation der Interpreten. Diese ausdrucksstarken Lieder, die vom lebenslangen Kampf Theodorakis für die Freiheit seines Volkes und dem Leiden unterdrückter Menschen dieser Erde sprechen, finden Eingang in die Herzen der Menschen.

Auch heute besitzt der Titel des Programms Poios Ti Zoi Mou (Wer trachtet mir nach dem Leben?), der den Kampfliedern von 1968 entstammt, brennende Aktualität, wie die überraschende Tränengasattacke im Februar 2012 auf den auf dem Syntagmaplatz vor dem Parlament demonstrierenden Mikis Theodorakis. Doch Theodorakis beugt sich nicht, er bezieht Stellung und handelt.

Der Jubel des Publikums nach dieser Aufführung war groß: Lang andauernder Beifall und Standing Ovations für den anwesenden Mikis Theodorakis, der am Ende zusammen mit der neben ihm sitzenden Maria Farantouri und 2.500 begeisterten Menschen Sto Perigiali sang.

Dieses erfolgreiche Theodorakis-Programm wird nun in mehreren Städten Griechenlands und an einigen Orten, an denen Mikis - zum Teil zwangsweise - lebte (wie auf Makronissos) aufgeführt.

Gerhard Folkerts, 13.06.2013 - Photo: Petra Folkerts