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Wir erlauben uns, der Zeitung JUNGE WELT die Quintessenz der rezentesten Erklärung von Mikis Theodorakis zu veröffentlichen und mittels unsere Homepage zu verbreiten:

Der griechische Komponist und ehemalige Widerstandskämpfer Mikis Theodorakis hat die griechische Linke und die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) aufgefordert, in einer breiten »Volksfront« gegen »das System« des Finanzkapitalismus und seine politischen Helfer aufzustehen. In einer junge Welt übermittelten Erklärung bedauerte Theodorakis am Mittwoch den »historischen Fehler« der Syriza-Regierung bei den Verhandlungen mit den mächtigen Vertretern der sogenannten Euro-Gruppe. Die fünf Monate Amtszeit des im Januar gewählten Ministerpräsidenten Alexis Tsipras hätten »bewiesen, dass es unmöglich ist, das System von innen heraus – als Parlament und Regierung – zu bekämpfen«. »Das System« werde jegliche griechische Regierung, sei sie auch demokratisch gewählt, »immer dazu zwingen, den Handlanger zu machen«.

Im besten Fall werde man Athen die Rolle »des Verwalters« der Interessen einer »fremden Macht« gegen den Widerstand des Volkes zubilligen. »Sie werden dich also zwingen, das genaue Gegenteil von dem zu tun, wofür du mit deinem Programm angetreten bist.« Die Verantwortlichen des dritten Griechenland-Memorandums und die hinter ihnen stehenden global vernetzten finanzkapitalistischen Wortgeber sind nach Ansicht des fast 90 Jahre alten, in Griechenland nach wie vor hoch geachteten und gehörten Musikers und früheren Politikers der Kommunistischen Partei nur zu schlagen, »wenn eine Regierung im Einklang mit dem Volk die reaktionäre Macht bekämpft und sich nicht statt dessen zum Organ des Systems machen lässt«.

Das habe auch Tsipras’ Partei erklärt, bevor sie gewählt worden sei und Regierungsverantwortung übernommen habe. Leider fließe mit der Regierungsmacht »soviel Honig (in Griechenland auch Synonym für Korruption, jW), dass ihr schnellstens euer eigenes Ich vergesst, sobald ihr Abgeordnete und Minister seid«. Theodorakis nannte es »ein Verbrechen«, dass die Regierung in den Monaten seit der Wahl und vor allem in den vergangenen Wochen das »Sterben der kleinen Produkteure und des Mittelstands« zugelassen habe. Mit ihnen sei auch die seelische und die moralische Kraft des Volks gestorben, das – indem es laut »Oix« (nein) gerufen habe – »seinen Körper und seine Psyche erschöpfte, es hat alles gegeben«.

 

Inzwischen habe Griechenland einen nationalen Nullzustand erreicht. »Wir liegen am Boden.« Das sei es, was ihn so grausam verwundet habe, »weil ein Volk kein Pferd ist, das fällt und wieder aufsteht – ein Volk hat Unendlichkeit und ein ungeheueres Gewicht«. Wenn das Volk, wie in seinem Land, »eins wird mit der Erde, dann wird es viele Jahre dauern, bis es wieder aufzustehen vermag«.

Syriza habe beim Wahlsieg im Januar von den »frischen Kräften« einer Massenbewegung profitiert. »Als aber Syriza Regierungsmacht wurde, verwandelte sich die Massenbewegung automatisch in regierungsgebundene Macht. Das heißt, sie verlor im wesentlichen ihre Stoßkraft. Sie wurde zu einer Art Angestellten.«

Die KKE haben im gleichen Atemzug das Ziel verfolgt, die Massenbewegung, die zum »Oix« geführt habe, an sich zu binden. Er kenne – »denn auch ich bin Kommunist« – die politischen Einzelheiten, »die uns trennen«. Wichtiger seien allerdings die »dringenden gemeinsamen Ziele, die uns einen«. In diesem Moment sei es das gemeinsame Ziel, »dem Volk wieder auf die Beine zu helfen«. Es stelle sich die Frage, was die Linke von der KKE trenne – es sei dies, »wie immer, der Klassenkampf«. Er sei allerdings davon überzeugt, dass – indem gemeinsam »das System« bekämpft würde – gleichzeitig der Klassenkampf gegen eine Plutokratie geführt werde, die er als »das Herz des Systems« schlechthin definiere.

Er hoffe, schreibt Thedorakis, dass eine »patriotisch-klassenbewusste Front« der Linken in die »Gründung einer neuen EAM« (Volksbefreiungsfront) münden könne – einst im Weltkrieg erbitterter und erfolgreicher Gegner der deutschen Besatzer.

https://www.jungewelt.de/2015/07-16/055.php

Die Textauslegung stammt vom Theodorakis-Biographen Hansgeorg Hermann