Seit einer gewissen Zeit erleben wir die Folgen der politischen Inexistenz der SYRIZA-Regierung. Eine politische Inexistenz, die uns allmählich und konsequent dahin geführt hat, wo wir jetzt stehen.

Wie stellt sich diese Inexistenz dar?

Wegen der Besetzung der Zölle an unseren Grenzen durch die Nachbarländer ist das Land isoliert, und es wird gelähmt durch  unzählige Blockierungen.und durch den Generalstreik in allen Gesellschaftsbereichen, während die Bauern sich gleichzeitig entschlossen haben, in Athen den Syntagma-Platz zu besetzen.

Kein Zweifel: Wir haben die STUNDE NULL erreicht durch das Verhalten der Regierung, die taten- und hilflos den Lauf der Dinge verfolgt, ganz so, als gäbe es sie nicht.

Heute hat sie erstmals beschlossen, sich aus ihrer Erstarrung zu lösen, aber anstatt eine Lösung vorzuschlagen, um die Lage zu entspannen, hat sie erklärt, dass sie den Aufmarsch der Traktoren nicht erlauben werde. So versucht sie, einen Konflikt mit den Bauern zu vermeiden, die, wie es diesmal den Anschein hat, zu allem bereit sind, weil sie gezwungen wurden, für ihre elementaren Rechte zu kämpfen: Ein Konflikt, für den allein die Regierung verantwortlich ist.

Der "Dialog", den sie vorschlägt, streut nur Sand in die Augen der Bauern, da die Entscheidungen nicht von ihr, sondern von den "Institutionen" getroffen werden.

Gewiss, ein Konlikt, ganz gleich, welches auch immer seine Charakteristiken und seine Resultate sind, wird ein harter Schlag für ein Land sein, das dabei ist zusammenzubrechen. Und es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Konflikt es nicht nur in eine tiefere Krise stürzt, sondern parallel dazu, auch zu einer größeren Veränderung der Psychologie des griechischen Volkes, das sich, so glauben wir, schon auf breiter Ebene der Richtigkeit unserer Vorhersagen und unserer Stellungnahmen über die Sackgasse bewusst wird, in die uns die Politik von SYRIZA geführt hat.

Tsipras' Uneinigkeitserklärung, die uns in gute und schlechte Griechen aufteilt, beweist, dass er den Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat, da für ihn offensichtlich die Rechte zwar "schlecht" ist, trotzden zeigen er und seine Regierung, dass sie die Prälaten der Polilik der neoliberalen Politik der Rechten sind, die sie auf Befehl der fremden Institutionen betreiben. Und nun ist die Stunde gekommen, da sie selbst für diesen desaströsen Betrug teuer zahlen müssen, weil das griechische Volk die Tugend hat, sich am Ende nicht zu unterwerfen. Und jetzt ist die Stunde des "Endlich" gekommen: die STUNDE NULL, die den Gemeralkonflikt zwischen der Regierung und dem Volk bedeutet. Seine Kampfspitze sind heute die griechischen Bauern in ihrer Gesamtheit und mit ihrer Entschlossenheit, damit ihre Forderungen erfüllt werden.

Wir sind demnach an dem Punkt angekommen, an dem das Leben selbst die Griechen gezwungen hat, eine Vereinigte Menschenfront des Kampfes zu bilden, dies ohne Leitfigur. Die Kraft, die vom Aufstand des Volkes in allen Bereichen, mit den Bauern an seiner Spitze, ist so groß, dass es schade wäre - selbst wenn die Regierung und die Institutionen ein wenig nachgeben würden -, wenn dieser dafür nur einige Krümel bekäme. Unser Volk verdient ein solches Ergebnis, das es auf Dauer in eine noch größere Krise stürzen würde, nicht.

Im Gegenteil! Wenn es mit der Verzweiflung und dem Willen, die es zu diesem allgemeinen Aufstand führen, dafür sorgen würde, alles einzufordern, was ihm als vereinIgte Kraft mit gemeinsamen Zielsetzungen, einer gemeinsamen Strategie, Taktik und Perspektive angehört, wären seine Gewinne vielfältig.

Es sind nämlich die gleichen internationalen Kräfte, die uns dazu zwingen, nicht drei oder vier nationale Politiken zu haben, sondern nur zwei: die Politik, die die Befehle der Institutionen befolgt, und die Politik, die den Konflikt mit den Institutionen unterstützt.

Unglücklicherweise ist diese Vereinigte Front des Kampfes, die nicht nur für einige Krümel mehr verhandelt, vielmehr zum Ziel die Eroberung der wesentlichen Rechte des griechischen Volkes hätte, nie Wirklichkeit geworden.

Daher ist die STUNDE NULL nicht nur für die Regierumg gekommen, sondern auch und vor allem für das Volk. Und das ist in Wahrheit die große Tragödie.

Athen, 10.2.2016

Mikis Theodorakis

 

übertragung aus der französischen Fassung